Viel Lob für «Blasmusik der Extraklasse»

Lausitzer Rundschau, 22.08.2007

Startrompeter Dirk Schiefen begeistert mit «Schlossberg-Musikanten» und Lausitzer Braunkohle-Orchester

Lichterfeld. «Vor solchen Auftritten proben wir immer noch extra im Satz oder Register, zumal einige Musikanten erst kurze Zeit aus dem Urlaub zurück sind. Da ist der Dirigent fast wie ein natürlicher Feind des Musikers» , beschreibt Hagen Stelter, Chef des Orchesters Lausitzer Braunkohle, die Situation vor dem Konzert. Die etwa 600 Zuhörer am Fuße der F 60 sind begeistert. 35 der 66 Musiker sind gekommen. Erstmals spielen sie am Wochenende vor der beeindruckenden Kulisse der F 60.
Es ist ein klasse Blasmusikfest. Startrompeter Dirk Schiefen, der schon als Fünfjähriger musizierte, verstärkt die «Schlossberg-Musikanten» . Als er im Jahr 1996 den Grand Prix der Volksmusik gewann, war das für ihn der große Durchbruch. Inzwischen spielt er mit dem Sinfonieorchester der Klassischen Philharmonie Bonn. Am liegenden Eifelturm sei er noch nie zuvor gewesen. Auch die «Schlossis» habe er vor dem Auftritt in Lichterfeld nicht gekannt. «Um so mehr bin ich erstaunt, dass das alles Amateurmusiker sind» , würdigt er die Leistung der Lausitzer Musikanten als überdurchschnittlich gute Amateure, die ihre Instrumente exzellent beherrschten. Wenn der David Hobeck so weiter spiele und sein Studium schaffe, habe er noch eine große Karriere vor sich, prophezeit er.


Bei den Schlossis werden Sabrina Korzetz, Ines Köhler, Anne Müller und Eileen Klinkmüller an der Es-Klarinette als das «schönste Klarinettenregister Deutschlands» angekündigt, was die Zuschauer nur bestätigen. Auf Conny Warsönke, die sich die ersten Klänge vom höher gelegenen Einlass anhört und total begeistert ist, lastet eine besondere Anspannung: Ihr Sohn Sven (19) darf mit Dirk Schiefen die Sehnsuchtsmelodie von Walter Scholz blasen. Dafür hatte er die ganzen Sommerferien jeden Tag eine Stunde extra geübt.


Auch Andreas Bergener und David Hobeck blasen «Die Post im Walde» und «Der alte Dessauer» – ein virtuoses Stück, das für Orchester mit Soli komponiert wurde – gemeinsam mit Dirk Schiefen und seinem besonders brillanten Klang.
Jürgen und Dr. Eva Lange loben beide Kapellen und den Trompeter. «Live Blasmusik in derartiger Qualität wie heute zu erleben, das ist ein Genuss. Vor dem Fernseher bringt uns das nichts» , erzählen sie. Außerdem seien sie gern an der Lichterfelder F 60. «Wir zeigen dieses Bergbau-Denkmal unseren Gästen. Schließlich sollen die Wessis auch Mal was Vernünftiges sehen» , sagt der Tischler im Ruhestand lachend.
Für Ilse Becker und Heinz Beeß aus Golßen ist völlig klar gewesen, dass sie die 50 Kilometer Anreise gern unter die Reifen nehmen. «Blasmusik ist unsere Welt. Die Schlossberger haben wir schon zum Parkfest in Sonnewalde erlebt. Der Kapellmeister der Schlossis ähnelt Ernst Mosch – sowohl im Dirigieren, als auch darin, wie er seine Musiker mitreißt. Ich habe Ernst Mosch selbst live gesehen» , berichtet Heinz Beeß. «Aber auch das Orchester Lausitzer Braunkohle ist eine Schau. Hier haben wir zwei herrliche Klangkörper erleben dürfen, die wir immer wieder hören möchten», so das Paar vom Konzert sichtlich begeistert. (Mario Sanders)

Lausitzer Rundschau, 22.08.2007